Datum: 21. Juli 2010 07:54
Hallo Facetto,
lass es mich in diesem Punkt kurz machen.
Man kauft ein Auto
nie nicht niemals "nur nach dem Foto". Wenn der Wagen im Nachbardorf stände würdest du das ja auch nicht machen, warum sollte sich die Situation ändern wenn das Auto 500 oder 5000km entfernt steht.
Dazu kommt, dass ab Grenze meist auch andere Vorstellungen in Bezug auf Zustandsbeschreibungen herrschen, zusätzlich die oft nicht gemeinsame Sprache.
Das
Netz ist voll mit Berichten von Leuten die Ihr Geld versenkt haben.
Einzige mögliche Ausnahme, der Wagen ist günstiger als die Summe der bei Schlachtung verwertbaren Teile die SICHER gut sind, die eigene Arbeitszeit ist egal und man kann die Begleitkosten abschätzen.
Import aus EU kosten soviel wie der Hänger und das Spritgeld, ggf, kleinere technische Anderungen (Autos aus Italien haben z.b. bis Mitte der Siebziger oft keine Warnblinkanlage und selbst der linke Außenspiegel ist dort erst ab 1980 vorgeschrieben, aber meist dennoch dran).
Aus den USA ist das ganz anders.
Transport ab Westküste: rechne mit 1500,-€ für Transport im 4er-Container inkl. Handling und Hafengebühren (RoRo ab Westküste nicht im Angebot). Dazu kommt die Fracht vom Ort des Kaufs zum Hafen (Beispiele Großraum LA zum Hafen LA ca. 100$, Pheonix Arizona, Hafen LA ca. 400,-) und der Transport von z.B. Bremerhaven oder Rotterdam zu dir vor die Haustür. Selber abholen? Jeder Tag den das Auto im Hafen steht und auf dich wartet, kostet Geld.
Dazu Zoll und Einfuhrumsatzsteuer mit der nicht ganz unerheblichen Begleitinfo, dass dieser auch auf die Frachtkosten anfällt. Was bei einem günstigen Kaufpreis anteilig besonders dramtisch ausfällt.
Umrüstung ist abhängig von dem was du ertragen kannst, die Sealed Beam Frontscheinwerfer musst du wechseln, ist aber kein große Sache. Ansonsten reicht am Meilentachtacho eine Markierung für 30, 50, 100 und 130 km/h. die Stoßstangen der 2. Serie sehen wirklich unterirdisch aus, aber es hat auch seinen Charme ein unverändertes US Auto zu fahren - wenn man es erträgt
USA Autos sind generell technisch im Eimer. Mein Lieblingsspruch hier (den viele schon kennen) "Letzte Inspektion bei Fahrzeugauslieferung".
In einen durchschnittlich erhaltenen US Strich8 versenkst du bis er technisch gut ist (von Optik hab ich da noch nicht gesprochen) locker 1.000 - 2.000,-€ nur an Material. Hat das Auto Klima dann geht es fast immer in Richtung 2.000,-€
Ein durchschnittlicher Westküsten /8 hat meist den 2. bis 4. Lack. Der US Thermolack verträgt sich mit nichts anderem als mit sich selbst, sieht meist scheixxe aus und wurde auch so verarbeitet. Für Neulack muss der alte komplett runter. Alle Fahrwerksteile sind in den USA meist gar. Was in der Regel immer geht sind Automatic und Klima, geht das auch nicht dann wars das für das Auto.
Was in den USA fully restored heißt, geht bei uns oft als irgendwie repariert durch.
Innenausstattungen sind durch Sonneneinstahlungen rissig und spröde (schwarz und andere dunkle Austattungen gibts dort drüben im Übrigen so gut wie nie).
Einzig gut sind die Karossen (wenn unfallfrei und Lenkungsbefestigung nicht durch Breitreifen im Eimer) und die durchweg gute Ausstattung, das kann bereits ein Argument sein.
Aber vielleicht solltest du uns mal den Beweggrund für einen Import nennen.
1. Geld sparen - Vergiss es
2. Gute Karosserie zum Fahrzeug Neuaufbau - das geht in den USA sicher, billig wird es aber auch nicht.
2. Auto mit toller Ausstattung - auch das ist möglich, aber die ganzen Helferlein müssen auch funktionieren.
4. Ein Auto was irgendwie anders ist - logo das wäre ein Grund.
Wenn du übrigens ein Auto mit SSD (=Stahlschiebedach) oder ESSD (=Stahlschiebedach) willst, habe ich eine schlechte Nachricht. In den USA am /8 total selten, denn wer Klima hatte bestellte dort kein Schiebedach. Auch in Italien und Frankreich eher selten.
Der /8 ist in den USA eher ein Verbrauchauto als ein Gebrauchsauto. Die besten /8er die ich zuletzt gesehen habe, waren die gepflegten aus Oma Hand, die nach einem technischen Defekt oder einem oft kleineren Unfallschaden in der Werkstatt gestrandet sind und deren Reparatur aus Sicht des Eigentümers unwirtschaftlich war, da kann man oft richtig Glück haben. diese Autos tauchen aber im Internet nicht auf, man findet sie nur vor Ort und mit hohem zeitlichen Einsatz (einmal 50km durch L.A. und zurück und der Tag ist rum).
Autos die von Verkäufern und Weiterverkäufern angeboten werden sind entweder zu teuer, oder zurechgebastelt und aufgehübscht, meist alles zusammen.
Nimm das nicht als Miesmacherei ich will dir nur aufzeigen, dass die Risiken auf die Nase zu fliegen erheblich höher sind als bei einem vergleichbaren Blindkauf in Deutschland.
Wenn du noch fragen hast, gerne ich kann aber nicht immer so umfangreich antworten
nette Grüße
Stefan
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.07.10 07:55.