Gummilager der zweiteiligen Kardanwelle tauschen

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Einleitung

Diese Beschreibung erklärt den Ausbau und die Reparatur der zweiteiligen Kardanwelle. Über dreiteilige Wellen dürfen sich Andere auslassen.

Ein defektes Gummilager der Kardanwelle, mit dem diese mittig am Fahrzeugboden befestigt ist, macht sich durch Rumpeln und Dröhnen in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen bemerkbar. Mercedes nennt das Lager übrigens Gelenkwellenzwischenlager. Zur Diagnose hilft eigentlich nur die Inaugenscheinnahme auf einer Hebebühne. Oft ist die Gummilippe des Gummilagers rundherum gerissen. Wenn man kräftig an der Kardanwelle zieht und drückt darf sie sich im Lager nur ein paar Millimeter, vielleicht einen Zentimeter, bewegen. Ansonsten ist das Gummilager hin. Das kommt öfters vor.

Zur Reparatur baut man die Kardanwelle aus, ersetzt das Gummilager und das Kugellager darin und baut alles wieder zusammen. Dafür sind zwei Leute mit zusammen vier Händen sehr zu empfehlen!


Werkzeug:

  • Übliches Zeugs, Sprengringzange, ein Rohr und zwei Maulschlüssel der Schlüsselweite 41 und 46.


Neuteile:

  • Gummilager (von Mercedes), nach Fahrgestellnummer bestellen - es gibt unterschiedliche! Preis so um die 50 EUR plus MWSt
  • Kugellager (nicht von Mercedes, weil es nicht passt. Der Lagerhändler hat ein passendes "Rillenkugellager 6006 2RS")
  • 6 selbstsichernde Muttern für die Schrauben der Hardyscheiben - die Muttern haben die Nummer A 124 990 14 51


Ausbau der Kardanwelle

Vorab ein Hinweis vom Forumskollegen "P.K" betreffend Ausbau der Kardanwelle bei einem W115 240d 3.0:
Der Ausbau ist kaum möglich, ohne vorher den Auspuff abzunehmen. Definitiv ist es nicht möglich, die Kardan rauszukriegen, wenn beide Hardyscheiben vorne und hinten an der Gelenkwelle bleiben sollen. Siehe auch diesen Thread.


Vorab eine Warnung:

Die Kardanwelle besteht aus zwei Teilen. Da sich die Kardanwelle im Fahrbetrieb ziemlich schnell dreht, ist sie bei Mercedes im Werk ausgewuchtet worden. Dazu gibt es aber keinerlei Markierungen auf den einzelnen Teilen der Kardanwelle. Fällt sie auseinander, was sie problemlos kann, dann steht man vor einem ziemlich großen Problem. Folglich ist beim Ausbau darauf zu achten, dass die Kardanwelle zusammen bleibt. Also niemals an einem der Teile ziehen, wenn das andere fest hängt. Nach dem Ausbau werden die Teile dann zueinander markiert. .

Also zunächst das Auto auf die Hebebühne fahren und anheben. Anschließend werden die Gelenkwellenscheiben (Hardyscheiben) vorne am Getriebe und hinten an dem Differential abgeschraubt. Dabei bleiben die Hardyscheiben an der Gelenkwelle. Man löst also die jeweils drei Schrauben, welche die Hardyscheiben am Getriebe bzw. am Differential befestigen. Montagerichtung der Schrauben für den Wiedereinbau merken, die Schraubenköpfe zeigen vorne wie hinten zur Fahrzeugmitte. Man kommt nur richtig an die Schrauben heran, wenn man das Fahrzeug zwischenzeitlich vor- und zurückschiebt (Leerlauf einlegen). Vorne muss eventuell der Getriebehalter abgeschraubt werden, das sind vier Schrauben von unten (zwei am Wagenboden, zwei zum Getriebelager).

Um Platz zu schaffen, schraubt man anschließend die Quertraverse unterhalb des Kardantunnels (vier Schrauben) und die mit drei Schrauben befestigte Querleiste ab, an der die Feder vom Feststellbremsmechanismus eingehängt ist. Anschließend ist der Mechanismus unbelastet und kann seitlich ausgehängt werden (eventuell vorher die Feststellbremse an der Einstellschraube zurückdrehen). Der Blick auf den Kardantunnel muss von vorne bis hinten frei sein. Eine eingeschweißte Traverse bleibt drin und wird uns noch Spaß machen.

Nun lockert man die Verbindung zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil der Kardanwelle. Dazu wird der 41er Schraubenschlüssel direkt vor der Klemmmutter auf die vordere Kardanwelle gesteckt und mit dem 46er Schlüssel die Klemmmutter gelöst. Man hat hier wenig Platz zum Arbeiten aber die Mutter lässt sich bald von Hand drehen. Nicht ganz abschrauben, nur lösen. Somit ist die starre Verbindung der beiden Teile der Kardanwelle aufgehoben und sie lassen sich ineinander schieben (aber auch auseinander schieben!). Da der hintere Teil aber noch über das Mittellager am Auto festgeschraubt ist, lässt sich nur der vordere Teil bewegen. Das geht aber auch jetzt noch nicht, weil er ganz vorne noch am Getriebe festklemmt. Also dort jetzt die Hardyscheibe vom Getriebe lösen; dabei hilft ein stabiler Schraubendreher oder eine kleine Brechstange. Ist die Kardanwelle vorne frei, darf man sie nicht fallenlassen, da sie auseinanderrutschen würde. Also vorläufig im Kardantunnel einklemmen und die Klemmmutter in der Mitte wieder festziehen!

Jetzt löst man die beiden Schrauben, die das Gummilager der Kardanwelle am Wagenboden halten. Dadurch wird auch der hintere Teil der Kardanwelle beweglich. Sie muss jetzt hinten vom Differential abgedrückt werden. Weil der hintere Teile der Kardanwelle nun die Möglichkeit hat, sich nach vorne zu bewegen, kann die Hardyscheibe hinten mit einem Schraubendreher oder einer Brechstange vom Differential gelöst werden. Anschließend nimmt man die beiden Schrauben vom Gummilager in der Mitte ganz heraus. Sind diese ab, wird die Welle langsam unhandlich.

Anschließend hat man eine recht frei schwebende Kardanwelle im Auto. Sie liegt nur noch auf einer am Wagenboden eingeschweißten Traverse im Kardantunnel auf und muss deshalb natürlich von den 2-4 Händen fleißig gehalten werden. Ich erinnere noch einmal daran, dass sie NICHT auseinanderfallen darf. Herausgenommen wird sie nun nach hinten, wobei der lustige Teil derjenige ist, bei dem das Gummilager der Kardanwelle an dieser festgeschweißten Quertraverse vorbeigeführt wird. Dazu muss das Gummilager ein wenig hin- und hergedreht werden. Doch schlussendlich rutscht die Kardanwelle heraus und wird am Boden abgelegt.


Zerlegen der Kardanwelle und Reparatur des Gummilagers

Als Allererstes werden nun die beiden Teile der Kardanwelle zueinander gezeichnet. Dazu nimmt man einen weißen Edding etc. und legt ein Lineal entlang der Kardanwelle an. Ganz so einfach ist es nicht, weil das Gummilager natürlich im Weg ist, aber ein Weg findet sich immer. Nachdem die beiden Teile nun also zueinander gekennzeichnet sind kann man die Klemmmutter in der Mitte ganz lösen und die beiden Teile auseinanderziehen. Den vorderen Teil macht man sauber und legt ihn weg, auf dem hinteren Teil ist das Gummilager.

Ist die Klemmmutter ganz ab, kann man nun die Gummimanschette von der Verzahnung ziehen, wenn sie nicht schon zusammen mit der Klemmmutter abgegangen ist. Oft fehlt sie und will dann unbedingt ersetzt werden. Das erste Bild zeigt diese Gummimanschette (mit der Ziffer "3" bezeichnet).

Bild 1 - Gummimanschette


Direkt am Kugellager sieht man nun einen Sprengring, diesen abnehmen.
Achtung, Empfehlung: Der Sprengring, der das Lager hält, geht beim Ausbau sehr oft kaputt. Daher sollte man vorher einen neuen kaufen und diesen dann verbauen. Die Teilenummer ist N 900055 5030200.
Unter dem Sprengring liegt eine Schutzkappe aus Metall, auch diese abnehmen. Am Besten legt man die Teile in der richtigen Reihenfolge und der richtigen Ausrichtung irgendwo sicher ab.

In Bild 2 sieht man den Sprengring (Nummer 5) und die Schutzkappe (Nummer 6).

Bild 2 - Sprengring und Schutzkappe


Jetzt muss das Gummilager zusammen mit dem Kugellager von der Gelenkwelle runter und nun wird es brutal. Man könnte das Kugellager auch getrennt ausbauen aber das ist viel Arbeit und lohnt die Mühe nicht. Einfacher ist es, beides zusammen auszubauen und das Kugellager anschließend zu ersetzen - es wird nämlich nun zerstört. Dazu schlägt man es mit einem passenden massiven Schraubenzieher und einem dicken Hammer von der Kardanwelle herunter. Dazu am Besten den Teil der Kardanwelle in einen Schraubstock einspannen, aber NICHT an dem Kreuzgelenk! Beim Herausschlagen außerdem die Auflagefläche des Lagers auf der Kardanwelle nicht beschädigen. Nach ein bisschen Gewürge kommen Gummilager und Kugellager zusammen herunter. Das alte Zeugs kann man nun zur Seite legen und zum Einbau der Neuteile schreiten.

Zunächst wird das neue Kugellager in das neue Gummilager eingedrückt. Dazu sprüht man die Innenseite des neuen Gummilagers mit Silikonspray ein, setzt das Kugellager mit dem Gummilager zusammen in einen Schraubstock und drückt das Kugellager in das Gummilager ein. Das Kugellager darf aber dabei nur an seinem Außenring belastet werden! Ich habe ein genau passendes kurzes Rohr (vom Durchmesser genau auf den Außenring des Kugellager passend) als Unterlage dazu verwendet. Man kann aber auch das alte Lager zerstören und nur seinen Außenring als Unterlage im Schraubstock verwenden. Ist keine Flex zur Hand kann man auch das ganze Lager nehmen, wird schon nicht so schlimm sein. Zufällig passt auch ein Aufsatz für den Bremsflüssigkeitsbehälter zum Entlüften mit Überdruck, falls man so etwas hat. Eine Unterlage braucht man auf jeden Fall, weil das Kugellager in einer Art Trichter im Gummilager sitzt.


Bild 3 - Neues Gummilager mit neuem Kugellager


Dann ist das Lager drin. Nun muss die Gummilager-Kugellager-Kombination wieder auf die Kardanwelle drauf. Dazu reinigt man die Auflagefläche des Lagers auf der Kardanwelle und ölt sie leicht ein. Nun die Gummilager-Kugellager-Kombination auf die Kardanwelle aufsetzen. Die offene Seite des Gummilagers (das ist die, auf die man in Bild 3 draufschaut) zeigt dabei nach vorne, also weg von dem restlichen Teil der hinteren Kardanwelle. Eingeschlagen wird das Kugellager nun mit einem passenden Rohr, das so eben über die Verschraubung der Kardanwelle passt und das Kugellager am Innenring trifft. Niemals das Kugellager am Außenring oder im Bereich des schwarzen Lagerdichtrings einschlagen! Es geht sofort kaputt. Beim Einschlagen hört man sofort, wenn das Lager sitzt. Das Geräusch des Hammers, der das Rohr zum Einschlagen trifft, ändert sich. Erfahrungsgemäß geht das ziemlich leicht, nach 3-4 Hammerschlägen sitzt das Lager.


Wiedereinbau und Schluss

So, dann die Schutzscheibe wieder drauf und den Sprengring auch. Am hinteren Wellenteil die Verzahnung reinigen und am Besten neues MoS2-Fett auftragen. Die beiden Wellenteile wieder passend der Markierung zusammenschieben und lose festziehen und ins Auto einbauen. Dabei die selbstsichernden Muttern der sechs Schrauben (drei vorne und drei hinten) an den Hardyscheiben erneuern. Die beiden kleinen Schrauben, die das Gummilager am Wagenboden befestigen, werden erst ganz zum Schluss festgezogen. Vorher die Verschraubung der Wellenteile lösen, den /8 ein paar Mal vor- und zurückschieben, damit sich alles setzen kann, dann das Gummilager am Wagenboden anziehen und dann sanft (30-40 Nm) die Verschraubung der Wellenteile festziehen.

Fertig.


Vielen Dank an Christian Dannert für diesen Beitrag!



Helmut 230.6 07:15, 8. Jul. 2010 (UTC), Ergänzt 18.04.2024

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