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Hallo Besucher!
Seit 1980
geschrieben von: Thorsten Lange (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17. Januar 2025 23:10

Liebe Strichachtfahrer,
ich bin der Neue! Das heißt, gar so neu bin ich dann auch nicht mehr, immerhin schon 64, auch Strichacht fahre ich schon ein paar Tage, genaugenommen seit September 1980.

Damals habe ich auf Kosten meines Opas einen 240D 3.0 erworben, dafür musste ich als 20jähriger Zivildienstleistender Sonntags immer die Familie in der Gegend umherkutschieren.

Das Auto war laut heute noch vorhandenem Kaufvertrag unfallfrei -- nach mehrfachem seitlichen Überschlag. Dementsprechend brach ein halbes Jahr nach Erwerb der erste Wagenhebenransatz weg, ein weiteres halbes Jahr später fologten die anderen drei -- und die Türunterkanten, die Endspitzen, die Kofferraumunterkante, Innen- und Außenschweller, Stehblechkanten, vordere Quertraverse, Bodenblech, die liebliche Ecke des Innenschwellers direkt neben der Hinterachse, die Kofferraumkante, die Kotflügel, die A-Säulen.

Angesichts des Zustandes blieb mir gar nichts anderes übrig, ich musste schweißen lernen. Und, angesichts des Zustandes des Autos wundert es wohl kaum, dieses Auto -- blieb bei mir bis zum heutigen Tag. Im Moment steht er gerade (seit zwei oder drei Jahren, die Zeit vergeht immer so schnell) ohne Heckscheibe in der Werkstatt, ich habe beschlossen, dass er nicht wieder herauskommt, bevor ich gute Chancen sehe, den Wassereinbruch in den Kofferraum beseitigt zu haben.

Zwischendurch hatte ich mal dreieinhalb Jahre einen weiteren Dreiliter als Winterauto: Kniehoch schlecht geschweißt und etliches schon wieder durch, drinnen feucht, die Innenausstattung zerfallen, die Automatik schaltete, wann sie wollte, der Motor nagelte unglaublich, hatte aber keine Kompression. Irgendwann, nach einem kalten Winter (die gab es damals noch), in dem ich mir nachts alle zwei Stunden den Wecker stellte, um das Auto wieder warmzufahren, damit ich am nächsten Morgen damit zur Arbeit fahren konnte (und das trotz neuem Anlasser, Schnellglühkerzen und 10er Einbereichsöl!), hatte ich die Nase voll und verkaufte im Sommer die Möhre zum gut doppelten Einstandspreis.

Um mir dann, so der Plan, für den kommenden Winter einen Golf oder ähnliches zuzulegen. Der Plan war dann aber sofort Makulatur, als mein Freund Christoph anfragte, ob ich nicht jemanden kenne, der einen billigen, gar nicht so schlechten Strichacht suche? -- Christoooph?

Seitdem, seit 1996 besitze ich zusätzlich einen 200D, für beidseitig faire 800DM. Noch vor dem Winter auseinandergenommen, viel geschweißt, hastig zusammengesetzt, den Winter über gefahren, danach wieder auseinandergenommen und viel geschweißt, allein im rechten Kotflügel stecken seitdem sieben selbstgedengelte Bleche aus einem alten Bullidach (ein neuer Kotflügel? Bist Du verrückt? Das ist ein Winterauto!) 1998 wieder auseinandergenommen, nein, diesmal nicht geweißt: Der Motor fuhr zwar noch, soff aber 8l Öl pro 1000km. Also gab es für 400DM einen "neuen", dazu eine Kupplung, einen Kühler, neue Dichtungen für Frontscheibe, Heckscheibe und Kofferraum ...

2003 hatte das Winterauto zwei fünfmarkstückgroße (den Euro gab es ja noch nicht lange) Durchrostungen links und rechts an den höchsten Punkten der hinteren Radläufe, die wollte ich noch schnell vor dem Winter zuschweißen.

Als ich fertig war mit Schneiden, waren die Unterkanten der Radläufe, der Radkästen und der Endspitzen draußen, außerdem ein angrenzendes Stückchen Schweller und Heckblech -- natürlich auf beiden Seiten.

Um die Zeit bis zur Wiederherstellung zu überbrücken, kaufte ich mir auf die Schnelle ein weiteres Winterauto -- um dann, nach Abschluss der Arbeiten, festzustellen, dasss erstens Reparaturbleche für den Strichacht nicht mehr ganz so behende vom Händler an der Ecke geliefert wurden wie früher und auch mir das Schweißen auf feuchtkaltem Boden in der ungeheizten Garage nicht mehr ganz so locker von der Hand ging wie früher. Kurz und gut, nun hatte ich mein zweites Sommerauto. Genaugenommen sogar mein drittes, denn ein paar Jahre zuvor war es einem anderen Winterauto, einem B-Kadett ganz ähnlich ergangen.

Im Moment bin ich gerade dabei, den Zweiliter TÜV-fertig zu machen, leider etwas aufwendiger als geplant: Geplant war eigentlich, drei Elektrikprobleme zu beheben (die Uhr setzt immer aus, der rechte Rückfahrscheinwerfer auch und die Anhängerkontrollleuchte leuchtet des öfteren auch, wenn sie das eigentlich gar nicht darf). Der Plan war aber dann Makulatur, als ich drei Ölpfützen unter meinem Auto entdeckte: Vom Kurbelwellenausgangslager, vom 486.000km alten, mittlerweile unsynchronisierten Getriebe und vom Differential. Beim Differential war es der hintere Deckel, das war einfach. Bei Motor und Getriebe im Grunde auch: Ich musste sie nur einfach tauschen. Und jetzt liegen auf meinem Schreibtisch die Einzelteile von Armaturentafel und Blinkrelais, um die Arbeiten abzuschließen.

Um Euch nicht zu sehr zu langweilen, habe ich hier nur einen kleinen Ausschnitt meiner Bastelgeschichten geliefert. Wer soll sich das schon alles durchlesen? Außerdem muss ich jetzt noch eine Runde löten ...

Viele Grüße
Thorsten

PS: Sollte mal jemand irgendwo einen kraushaarigen 2,07m-Riesen mit gelbem Strichacht entdecken, der totentaub ist (der Fahrer, nicht der Strichacht), stehen die Chancen gut, dass Ihr gerade auf mich gestoßen seid ...

Re: Seit 1980
geschrieben von: T-Modell (IP-Adresse bekannt)
Datum: 18. Januar 2025 10:26

Klasse story, ich hab’s gelesen zwinker …. Dann mal viel Erfolg beim TÜV… sitzt Du dann auf der Rückbank beim fahren? hüpf-freu
Thomas

Re: Seit 1980
geschrieben von: Hannes (IP-Adresse bekannt)
Datum: 18. Januar 2025 11:05

Ich habes auch gelesen .... komplett. Ich mag solche Geschichten.
45 Jahre Strich8 .... Klasse!!
Gutes Gelingen, die Problemchen bekommst du sicher in den Griff

Re: Seit 1980
geschrieben von: hirschi 250 CE (IP-Adresse bekannt)
Datum: 20. Januar 2025 13:49

YoHo Thorsten !

Hier biste Richtig !

Super Geschichte Mann!

Von wo kommste her ?

Grüße

aus Wetberlin

vom

Hirschi

Re: Seit 1980
geschrieben von: T-Modell (IP-Adresse bekannt)
Datum: 20. Januar 2025 15:58

Hey Hirschi,
regnets in Berlin? zwinker
Thomas

Re: Seit 1980
geschrieben von: hirschi 250 CE (IP-Adresse bekannt)
Datum: 21. Januar 2025 11:00

Hallo Thorsten,

regnen ?!?

Es is' kalt und trocken hier...

Grüße

aus Westberlin

vom

Hirschi

Re: Seit 1980
geschrieben von: T-Modell (IP-Adresse bekannt)
Datum: 21. Januar 2025 11:26

Gestern war's noch "wet" in Berlin zwinker ... hab zuviel Geld ausgegeben für den Strich 8, da langts nur noch für billige Witze zwinker
Thomas

Re: Seit 1980
geschrieben von: hirschi 250 CE (IP-Adresse bekannt)
Datum: 21. Januar 2025 11:44

Hallo Thorsten,

Ja viel Geld für den /8 habe ich auch ausgegeben - letztes Jahr den M114 980 Einspritzmotor KOMPLETT überholt.

Das hat das Budget strapaziert...War jeden Cent wert...

Grüße

aus Westberlin

vom

Hirschi

Re: Seit 1980
geschrieben von: Wolfi 280E/8 (IP-Adresse bekannt)
Datum: 22. Januar 2025 13:48

Hallo Thorsten,

habe soeben seine Geschichte gelesen, Hammer !!

Nun muss ich mich wohl mehrfach geschlagen geben und den zweiten Platz einnehmen.

Besitzdauer, habe meinen 280E seit Feb. 1988, also minus 8 Jahre

Größe, opps... bin 193cm, minus 14cm.... und da sind andere hier noch evtl. näher dran

Menge der Schweißungen und Bleche am Auto, versuche erst garnicht zu rechnen

Anzahl der Arbeitsstunden am Auto, nicht mal einen Bruchteil...

Alter, bingo, ein Jahr mehr als du, bäääh zwinker


Aber warum bist erst so kurz hier, vor lauter Arbeit am /8 keine Zeit für ein paar Stunden am PC...

viele Grüße
Wolfgang

Re: Seit 1980
geschrieben von: Thorsten Lange (IP-Adresse bekannt)
Datum: 03. Februar 2025 22:48

Hallo T-Modell,
nee, ich sitz schon auf dem normalenm Fahrersitz -- aber bis an den Anschlag zurückgeschoben und die Rückenlehne weit nach hinten gekurbelt, damit ich auch noch aus dem Fenster gucken kann.

Da ich dabei auch noch -- derzeit mit abnehmender Tendenz -- 125kg wiege, das multipliziert mit den Hebelarmen, reißt es gelegentlich die Sitzschienen aus dem Sitz. Dann gibt es nur eines: Sitz raus, auf den Kopf, die Reste wieder zurechtbiegen und zusammenschweißen. Natürlich ist das Zusammengeschweißte dann noch instabiler als das Original. Deswegen kommt dann noch einmal eine Blechbandage darüber geschweißt.

Ich erinnere mich noch an eine Episode: Ich bin in der Werkstatt und führe diese Reparatur an meinem Winter-Strichacht durch. Frage aus Scherz meinen Mitschrauber Michael, der das gerade als Pfusch bezeichnet hat, ob ich das auch gleich präventiv am Sommer-Strichacht machen soll?

Dann fahre ich mit dem Sommer-Strichacht nach Hause, Michale bleibt allein zurück. Zehn Minuten später erscheine ich wieder, fahre wortlos den Sommerstrichacht in die Werkstatt, schraube wortlos den Sitz raus und beginne ihn zu schweißen -- Michael bekommt natürlich Riesenaugen.

War doch auch der Sitz des Sommerstrichachts an der nächsten Ampel gebrochen ...

Re: Seit 1980
geschrieben von: Thorsten Lange (IP-Adresse bekannt)
Datum: 03. Februar 2025 22:50

Hallo hirschi 250 ce,

vielen Dank!
ich komme ursprünglich aus der Hamburger Gegend, wohne aber seit 1981 in Braunschweig.

Viele Grüße
Thorsten

Re: Seit 1980
geschrieben von: Thorsten Lange (IP-Adresse bekannt)
Datum: 03. Februar 2025 23:11

Hallo Wolfi 280E/8,

habe gerade wieder ein gutes Vierteljahr am Strichacht hinter mir, täglich außer Sonntags 4-6 Stunden. Diesmal am 200D, Motor aus dem Unimog 404 umgebaut auf Strichacht: Kein Anbauteil, das nicht entweder kaputt, fehlend oder falsch gewesen wäre, Einspritzpumpe und -düsen hatte die Dieselpest gerissen, allein um das zweifelsfrei zu erkennen habe ich eine Woche hin- und hergeschraubt.

Dann Getriebe getauscht: Dem hatte irgendjemand Gewalt angetan, Auspuffhalter und Schalthebel waren total verbogen. Dann Rückfahrscheinwerfer repariert, die Uhr wieder zum dauerhaften Lauf überredet (in der Armaturentafel ist langsam wirklich alles nachgelötet), Elektrik von Standheizung und Dieselvorwärmung demontiert, Wassereinbruch und dessen Folgen beseitigt, Blinkerrelais repariert ...

Von 1991 bis 2003 habe ich wohl jede Woche im Schnitt 35 bis 40 Stunden geschraubt, neben dem Vollzeitjob, seitdem ist es weniger, allerdings seit einem Jahr wieder mit steigender Tendenz. Außerdem schraube ich auch an meiner Familiengeschichte, an einer Geschichte der Fototechnik und mache gelegentlich Holzarbeiten.

Irgendwie ist da eigentlich kaum noch Luft für mehr. Deswegen schaffe ich es auch jetzt nicht, regelmäßig hier zu erscheinen -- sieht man auch daran, dass ich manchmal auf Beiträge erst sehr spät antworte, tut mir leid, ich schaffe es einfach nicht besser ...

Viele Grüße
Thorsten

Re: Seit 1980
geschrieben von: Karl-Ludwig (IP-Adresse bekannt)
Datum: 04. Februar 2025 09:52

Hallo Thorsten,

falls Du im vdh bist, wäre Deine Story perfekt geeignet für die Veröffentlichung in den "Benzheimer Flosskeln"...

Sehr unterhaltsam geschrieben...

KL

Re: Seit 1980
geschrieben von: Thorsten Lange (IP-Adresse bekannt)
Datum: 04. Februar 2025 23:42

Hallo Karl-Ludwig,

ich habe zwar schon diverse Male überlegt, in den VdH einzutreten, bisher ist es aber nie soweit gekommen. Ornbau ist von Braunschweig auch ziemlich weit weg. Aber vielleicht sntscheide ich mich ja irgendwann doch noch dafür?

Viele Grüße
Thorsten

Re: Seit 1980
geschrieben von: Bruchpilot (IP-Adresse bekannt)
Datum: 14. Februar 2025 00:25

Thorsten Lange schrieb:
-------------------------------------------------------
> Hallo T-Modell,
> nee, ich sitz schon auf dem normalenm Fahrersitz
> -- aber bis an den Anschlag zurückgeschoben und
> die Rückenlehne weit nach hinten gekurbelt, damit
> ich auch noch aus dem Fenster gucken kann.
>
> Da ich dabei auch noch -- derzeit mit abnehmender
> Tendenz -- 125kg wiege, das multipliziert mit den
> Hebelarmen, reißt es gelegentlich die Sitzschienen
> aus dem Sitz. Dann gibt es nur eines: Sitz raus,
> auf den Kopf, die Reste wieder zurechtbiegen und
> zusammenschweißen. Natürlich ist das
> Zusammengeschweißte dann noch instabiler als das
> Original. Deswegen kommt dann noch einmal eine
> Blechbandage darüber geschweißt.
>
> Ich erinnere mich noch an eine Episode: Ich bin in
> der Werkstatt und führe diese Reparatur an meinem
> Winter-Strichacht durch. Frage aus Scherz meinen
> Mitschrauber Michael, der das gerade als Pfusch
> bezeichnet hat, ob ich das auch gleich präventiv
> am Sommer-Strichacht machen soll?
>
> Dann fahre ich mit dem Sommer-Strichacht nach
> Hause, Michale bleibt allein zurück. Zehn Minuten
> später erscheine ich wieder, fahre wortlos den
> Sommerstrichacht in die Werkstatt, schraube
> wortlos den Sitz raus und beginne ihn zu schweißen
> -- Michael bekommt natürlich Riesenaugen.
>
> War doch auch der Sitz des Sommerstrichachts an
> der nächsten Ampel gebrochen ...

Hallo Thorsten,

grins ich musste soooooo lachen grins grins grins einfach herrlich! Natürlich auch von mir ein herzliches Willkommen! prost

Beste Grüße
André



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.02.25 00:26.

Re: Seit 1980
geschrieben von: Knut (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17. Februar 2025 00:06

Moin Jungs,

Zitat:
Von 1991 bis 2003 habe ich wohl jede Woche im Schnitt 35 bis 40 Stunden geschraubt

12x52x35= 20.000 Stunden!

Das reicht satt für zwei Flügeltürer-Komplettrestaurationen, wo dann nur noch die Fahrgestellnummer original ist!prost

0=*=0

Knut

Re: Seit 1980
geschrieben von: T-Modell (IP-Adresse bekannt)
Datum: 17. Februar 2025 09:46

Knut,
jetzt hamwer ihn ... ein Ex-Kienle Mitarbeiter! hüpf-freuhüpf-freu
Thomas

Re: Seit 1980
geschrieben von: Thorsten Lange (IP-Adresse bekannt)
Datum: 02. März 2025 18:05

Hi Knut, hi T-Modell,

ich sehe, ich muss doch etwas mehr aus dem Nähkästchen plaudern ...

Als ich 1980 den Dreiliter bekam, war ich der erste in der Familie, der einen Führerschein hatte, auch der erste mit Auto. Anfangs wusste ich nicht einmal wie man tankt, aber das ist eine andere Geschichte.

Anfang 1981 traute ich mich aus Geldmangel mit einem Freund zusammen an die erste Reparatur. Die hinteren Stoßdämpfer hatten es hinter sich. Acht Stunden später waren neue drin, nein, keine Komplikationen: Unerfahrenheit.

Bis 1987 schraubte ich am Auto nur, wenn es anders nicht mehr weiter fuhr. Wobei schrauben ist der falsche Ausdruck, zu schrauben war da eigentlich nichts. Dafür umso mehr zu schweißen. Anfangs, nach meiner Erinnerung etwa bis 1983/84, besorgte das ein Mitstudent mit Autogenschweißgerät. Damit es voranging, brauchte er mir bei, wie ich die Bleche biegen sollte. Gern erinnere ich mich da beispielsweise noch an eine Nacht im Februar, als die nasse Sandauffahrt unter uns plötzlich merkwürdig hart wurde, weil nachts um halb zwei der Boden gefror.

Irgendwann wollte der Mitstudent nicht mehr, ich bekam zu Weihnachten von meinem Opa ein Schutzgasschweißgerät, das noch heute in Betrieb ist, brachte mir selbst das Schweißen bei und schweißte weiter alles mit durchgehenden Nähten auf Stoß. Das hat mehrere Vorteile, erstens sind die Nähte weniger rostanfällig, zweitens dauert es viel länger und man lungert deswegen weniger auf der Straße rum.

Flügeltürer habe ich nie gemacht, Kienle kenne ich auch nur aus der Zeitung. Aber ich habe auch noch zwei B-Kadetts, allerdings steht der eine seit 1988, der andere seit 2006. Gab also immer genug Autos, um in der Werkstatt daran zu spielen.

Ich bin von Natur aus langsam, immer, egal was ich mache. Autoreparatur habe ich weitgehend durch learning by doing gelernt und 1991 damit angefangen: Damals hatte ich die leere Karrosse meines Dreiliters -- Motor, Getriebe, Achsen, Pedalerie, Armaturen, Innenausstattung, kardanwelle und andere Kleinigkeiten lagen allesamt im Hochregal.

Wobei Karosse: Bis auf die Längsträger habe ich im Motorraum alles herausgetrennt und neu gemacht. Hinten war deutlich mehr zu schweißen, aber wegen der komplexeren Blechstruktur immer nur Teilersatz. Die Fahrerkabine war dagegen harmlos, ein bisschen Bodenblech, ein bisschen Schweller innen und außen.

Bis dann 1993 alles wieder fuhr, waren alle Feierabende und sämtlicher Urlaub in das Projekt geflossen. Ich hatte eine ganze Menge gelernt -- aber wer lernt, braucht auch mehr Zeit. Der eh schon langsame natürlich noch mehr. Wobei ... eigentlich lerne ich bis heute ...

Wenn Du jetzt glaubst, hinterher wäre das erst 18jährige Auto im Zustand 1 gewesen: Nein. Das war auch nicht das Ziel. Das Ziel war: Er fährt wieder und ich komme weg von einem Zustand, bei dem ich alle zwei Jahre zehn Wochen Volltagsarbeit brauche, nur um über den TÜV zu kommen. Ich hatte insgesamt 12.000 Mark in ein Auto investiert (abgesehen von etwa 2000 Stunden), das hinterher vielleicht 4.000 Mark wert war, weil allein der unangetastete Motor unter Freunden damals schon 1500 Mark gebracht hätte. Sämtliche Blechteile waren gebraucht, die Lackierung war zwar offiziell alles mimosengelb 618, hatte aber eigentlich mehr von Polo Harlekin und vertrug sich an den Türen auch nicht mit dem Untergrund -- ganz abgesehen von Läufern, Orangenhaut und Staubeinschlüssen.

Die Karrosse hat sich seitdem bewährt: Ich habe seitdem zwei winzige Briefmarken eingeschweißt, um übersehene Löcher zu schließen, außerdem muss ich nach Wassereinbruch in den Kofferraum demnächst ein Loch schließen, da genügt mit etwas Glück ein Schweißpunkt. Abgesehen von der Nockenwelle, die der Motor alle 200.000km neu sehen will, einer Ölpumpe und einem Öldruckventil ist der Motor immer noch unangetastet, nicht bewährt hat sich dagegen das nachgerüstete Fünfganggetriebe, das bisher zweimal nur 40.000km von Überholung bis Komplettzerfall durchgehalten hat.

Der Rest geht eigentlich: 18 Jahre nach dem Erwerb habe ich bemerkt, dass bedingt durch einen Unfall vor meiner Zeit rechts die beiden vorderen Querlenker etwas krumm waren und habe sie ausgetauscht. Vorder- und Hinterachse sind mittlerweile entrostet. Ein Fehler bei Schweißen, der dazu führte, dass der hintere Querstabi in scharf gefahrenen Linkskurven sich an der Karosserie verhakte, sich dann irgendwann mit einem Knall löste und das Auto etwas schlingern ließ, habe ich lange gesucht und irgendwann behoben. Kardanwelle und Differential sind überholt.

Und dann gibt es natürlich die Kleinigkeiten: Steinschläge beseitigen, mal neue Reifen, neue Bremsbeläge, neue Gummiteile an den Achsen, neue Federn, mal ein Wassereinbruch, gelegentlich ein neues Gebläse, zerfallene Türtaschen, solche Sachen.

Wenn man das an vier Autos macht, nicht schnell ist, noch Erfahrungen sammelt, kommt schnell viel Zeit zusammen ...



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